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     16.10.2009
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*-Janine-* - Die Trauerfeier


Die Trauerfeier



 
Es war wohl das schlimmste Ereignis, dem ich je begegnen musste.
Es sollte meine erste Trauerfeier sein.

Ich dachte immer, dass ich irgendwann zu meiner Oma oder zu meinem Opa muss. Zur Trauerfeier. Um mich zu Verabschieden.
Um ihnen die letzte Ehre zu erweisen.
Natürlich wäre es nicht schön gewesen.
Es wären immerhin meine Oma oder mein Opa.
Doch man rechnet mit dem Tod älterer Menschen eher, als mit dem Tod einer 18-jährigen Freundin.
Nun erwies ich ihr die letzte Ehre.

Es war so...so unnormal!
Einfach unfair.

Ich wusste, dass es traurig wird.
Ich wusste, dass es mich sehr mitnehmen wird.
Doch ich konnte es anfangs gut überspielen.
Wir sind zur Trauerhalle gefahren und kauften dort noch ein paar Rosen.

Es war schon hart alle zu sehen.
Alle in schwarz. So wie es sein sollte.
Viele schon vorher mit tränennassen Gesichtern.

Zuvor sammelten wir in der Schule noch Geld für einen wunderschönen Kranz ein, den die Mutter einer Klassenkameraden machen wollte.
(Hier noch einmal herzlichen Dank dafür!)

Als ich den Kranz sah, war ich überwältigt. 
So viele schöne und farbenfrohe Blumen, sie spiegelten Janine wieder, so wie wir sie kennen lernen durften.
Ein wunderschöner Kranz!

Nun ging es in die Trauerhalle.
Vorher sollte man seinen Namen in das Kondolenzbuch eintragen.
Ich habe meinen Namen noch nie so sehr geschmiert, wie an dem Tag.
Irgendwie ging zu dem Zeitpunkt gar nichts mehr richtig.
Ich war nervös, total zitterig.

An der Tür wurde man von ihrem Judoverein "begrüßt".
Ich habe mich nie viel für ihren Lieblingssport interessiert.
Ich habe ihr aber viel Respekt geschenkt.
Ich bin lange nicht so sportlich, wie sie.
Ich werde es auch nie sein.
Sie war sehr hibbelig vor ihrer Prüfung für den schwarzen Gürtel.
Ich beruhigte sie noch.
Ich versicherte ihr, dass sie es schaffen würde.
Ich hatte Recht.
 
Sie schaffte es.
Respekt, Janine!




In der Trauerhalle war ein Meer von wunderschönen Blumen aufgreiht.
Dazwischen bezaubernde Bilder von unserer Janine.
Auf jedem Bild lächelte sie.
Ich mochte ihr Lächeln.
Es kam immer von Herzen.

Ich saß in der vierten Reihe.

Es kamen immer mehr Menschen.

Irgendwann konnte ich nicht mehr aufwärts Blicken.
Mein Blick heftete sich auf meine Knie.

Die Hintergrundmusik, auf die man sich plötzlich konzentrierte, schossen mir Tränen in die Augen.

Der Mann vorn am Pult fing an zu Reden.
Ich konnte mich nicht auf seine Rede konzentrieren.
Mir gingen viel zu viele wirre Gedanken durch den Kopf. Ich weiß zwar, was er sagte, könnte aber keinen vollständigen Satz davon wiederholen.

Er erzählte vieles aus ihrer Kindheit und aus ihrer Schulzeit.
Von ihrer Familie und von ihren Freunden.

Zwischendurch wurde wieder Musik gespielt.
Als von Xavier Naidoo - 'Abschied nehmen' lief, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurück halten.
Dieses Lied sagte mehr, als ich je in Worte hätte fassen können.

Es tat gut so etwas zu hören, zu wissen, dass es vielen ähnlich ging wie mir.
Man brauchte nichts sagen.
Alle dachten und fühlten das Selbe.
Das spürte ich.

Nach der Rede hatte jeder die Gelegenheit sich zu verabschieden.
Der schlimmste Abschied, den ich je erlebt hatte.
Die Menschen gingen nach vorn, zu dem Blumenmeer und legten ihre mitgebrachten Blumen mit nieder.
Manch einer sagte etwas.
Viele dachten wohl blos nach oder verabschiedeten sich still. 
Von Janine.
Von diesem lebensfrohen, hübschen, talentierten, sportlichen und klugen Mädchen.

So gut wie alle weinten.

Eigentlich wollte ich nicht weinen.
Ich glaube nicht, dass Janine es toll gefunden hätte, all ihre Freunde und ihre Familie weinen zu sehen.
Dann hätte sie bestimmt mitgeweint.
Janine weinen sehen, hätte keiner ertragen.
Doch gerade weil sie so ein tolles Mädchen war, fiel es mir verdammt schwer die Tränen fernzuhalten.
Es tat gut zu weinen.
Sie hat es verdient, dass man um sie weint.

Alle tollen Menschen haben das verdient.

Jede Träne von uns ist ein Lächeln von ihr, welches sie uns schenkte.

Nun war ich an der Reihe.
Ich stellte mich nach vorne und schaute eine Weile auf ihr Bild.

Ich vermisse sie sehr.

In der Schule saß sie in vielen Fächern neben mir.
Nun ist der Platz leer.
Er wird es auch bleiben.
Ich möchte nicht, dass dort jemand anderes sitzt.
Es wäre so, als würde sich jemand 'auf sie rauf setzen'.
Für mich ist Janine noch nicht ganz weg.
Sie ist noch da.
Wenn auch nur in meinen Erinnerungen und meinem Herzen.
Wenn ich auf ihren leeren Platz schaue, dann sehe ich sie.
Manchmal.
Sie schaut direkt zu mir.
Tief in meine Augen.
Sie lächelt.
Wie immer.
Anders habe ich sie nicht kennen gelernt.
Ein tolles Mädchen!

Ich legte die Rose nieder und wünschte ihr viel Glück auf ihrer langen Reise und sie solle doch bitte Elvis und Michael Jackson von mir Grüßen.
Immerhin kann sie nun mit den beiden zusammen Cocktails trinken.
Außerdem bat ich sie, mich zu empfangen, wenn ich irgendwann die Welt verlassen muss.

Ich weiß, dass sie mich empfangen wird.
Dann werd ich ihr Lächeln wiedersehen.
Ich kann sie dann Umarmen. 
Ich kann ihr sagen, wie Lieb ich sie habe.
Ich kann ihr sagen, dass sie mein Vorbild ist.
Sie war so talentiert!

Ich verlies die Trauerhalle.





[by BluBBs]



 
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